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Europe’s most novel cafés

Nizza, Moskau, Wien: Jede Stadt hat ein originelles Café zu bieten

 Die „Gucci-Espressobar“ in Mailand, wo man nach dem Shopping bei einem Cappuccino den Blick durch die Galleria Vittorio Emanuele II schweifen lässt; das „Café des Deux Moulins“ in Paris, das durch den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ bekannt wurde; der „Bräunerhof“ in Wien, den der Literat Thomas Bernhard sein zweites Zuhause nannte – jede Stadt hat ihre typischen Cafés mit ihrem ganz eigenen Charme. Doch über die Klassiker hinaus finden sich in den Metropolen rund um den Globus immer häufiger auch besonders originelle Cafés, die nicht mit ihrer Tradition begeistern, sondern durch ungewöhnliche Konzepte. Wir präsentieren Ihnen drei Beispiele, die uns überzeugen: von der kostenlosen Schmusetherapie zur Melange über Kaffee mit Höflichkeitssteuer bis zum Cappuccino zum Minutenpreis.

Nizza – „Bonjour, un café, s’il vous plaît“

In Nizza, der mondänen Stadt an der Côte d’Azur, lieben wir den Hafen Port Lympia, Place Garibaldi, die Kathedrale Sainte-Réparate – und das Café „La Petite Syrah“. Wer auf der Terrasse in der 13 rue Cassini einen Kaffee trinken möchte, sollte sich vorher gut überlegen, wie er ihn bei Inhaber Fabrice Pepino bestellt. Denn der Preis richtet sich nach der Höflichkeit. Ganze sieben Euro kostet eine Tasse, wenn dem Gast schlicht „Ein Kaffee“ über die Lippen kommt. Fügt er das Zauberwort „Bitte“ hinzu, wird es prompt günstiger – 4,25 Euro. Wer mit richtig guten Manieren glänzt und mit einem „Guten Tag, einen Kaffe, bitte“ bestellt, muss gerade einmal 1,40 Euro auf den Tisch legen. Gutes Benehmen zahlt sich eben aus – auch im Café.

Moskau – In der Ruhe liegt der Genuss

Das „Café Zifferblatt“ liegt inmitten der quirligen Millionenmetropole Moskau. In einem Hinterhof an der Ulitsa Pokrowka 12 weist ein kleines Pappschild den Weg in den zweiten Stock, wo die Gäste auf alten Lehnstühlen sitzend eine Tasse Kaffee genießen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Auffallend sind jedoch die Vintage-Wecker auf den Tischen. Sie sind das Symbol für Zeit. Ein kostbares Gut, mit dem im „Zifferblatt“ bezahlt wird. Ganz nach dem Motto „Verweile ohne Eile“ bezahlt der Gast an diesem Ort nicht etwa für seinen Kaffee, sondern die Aufenthaltsdauer im Café. Dem kritischen Blick eines Kellners, der zur Bestellung eines zweiten Kaffees oder alternativ zum Gehen auffordert, begegnet man hier nicht. Zwei Rubel kostet die Minute, das sind 120 Rubel oder knapp drei Euro pro Stunde – in der darf auch gern eine zweite Tasse getrunken werden. Prädikat: zeitlos günstig.

Wien – In schnurrender Gesellschaft

London, München, Wien – was in Japan schon seit Jahren Trend in Sachen originelle Café ist, erobert immer mehr Metropolen: Katzencafés. Das Prinzip? Kraulen bei Kaffee und Kuchen. Im „Café Neko“ im Zentrum Wiens tummeln sich gleich fünf Samtpföter. Sie wollen Streicheleinheiten, eine Runde spielen oder einfach nur die Gäste beim Trinken einer Melange (inklusive Katzengesicht auf der Milch!) beobachten – ganz nach ihren Wünschen. Für gestresste Großstädter, die auf die beruhigende Wirkung der Vierbeiner schwören, und Katzenfreunde, die selbst keine Mieze haben, sind Katzencafés auf jeden Fall einen Besuch wert. Und weil die Katzen das nicht mögen, ist anders als in den meisten Wiener Etablissements das Rauchen nicht erlaubt. Da schnurren die Nichtraucher unter den Kaffeehausfreunden zufrieden.