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Open Art

Wer hinter TOILETPAPER steckt: Maurizio Cattelan

„Glücklicherweise sind wir keine Bäume.“ Wenn Maurizio Cattelan merkt, dass er an einem Punkt angekommen ist, den er nicht mehr mag, ändert er einfach die Richtung.

1960 in Padua geboren begann er seine künstlerische Laufbahn in den 80-er Jahren und erntete auf der ganzen Welt Ruhm für seine Werke, die manchmal echte Aufführungen sind, bis er der meist zitierte italienische Künstler wurde.

Seine Projekte sind auffällig, da sie vor Grenzen nicht haltmachen, und aufgrund ihres aussergewöhnlichen, kreativen Flairs. Seine berühmtesten Werke sind „La Nona Ora“ (die neunte Stunde), in dem Papst Johannes Paul II. von einem Meteoriten erschlagen wird; „Er“, in dem Hitler auf Knien und mit Rührung in den Augen betet; und „L. O. V. E“, ein italienisches Akronym für Freiheit, Hass, Rache und Ewigkeit auf der Piazza Affari in Mailand, in Form einer Hand, die fast fünf Meter hoch ist, deren Finger ausser dem mittleren alle abgeschnitten sind.

2010 startete Maurizio zusammen mit dem Fotografen Pierpaolo Ferrari TOILETPAPER, eine Zeitschrift, die künstlerische Sprache mit Werbesprache verwebt und zunehmend einer Agentur ähnelt: eine Entwicklung, die weit entfernt von seiner Arbeit als Künstler liegt; jedoch eine, die ihn fasziniert, aber gleichzeitig auch erschreckt.

Er erzählt, wie er vor langer Zeit einen Malkasten erhalten hat. Es war das peinlichste Geschenk seines Lebens, weil es alles enthielt, was er für die Malerei brauchte, er aber nicht wusste, wie es zu benutzen sei. Es erinnerte ihn daran, wie unzulänglich er als Maler war.  Die Werkzeuge waren da, er wollte sie benutzen, aber er beherrschte den Umgang mit ihnen nicht.

TOILETPAPER ist eine Zeitschrift, die vollständig aus Bildern besteht, ohne Worte, und das macht sie zu POP. Die Macht der Bilder ist sehr stark; sie befinden sich in den Köpfen der Menschen und auf ihren Bildschirmen, auch ohne um die Erlaubnis des Autors gebeten zu haben.
Die Zusammenarbeit mit Lavazza basiert auf diesem Prinzip: Tiny ist klein, lebhaft, bunt; Tiny TOILETPAPER Limited Edition bringt einen Hauch von Kunst und Kreativität in den Haushalt, ohne um Erlaubnis zu fragen.

Apropos Kreativität: Wir fragten Maurizio, welchen Namen er einer Kaffeemischung geben würde, die seine Arbeit anregt, und ohne zu zögern antwortete er:

„Fast alle meine Werke heissen ‚Ohne Titel‘ … Ich glaube, dass ‚Ohne Titel‘ ein wunderschöner Titel ist, auch für eine Kaffeemischung: Alles bleibt der Interpretation derer überlassen, die sie probieren.“

Vor dem Abschied von dem „pensionierten“ Künstler fragten wir ihn, welcher Arbeit er gerne nachgehen würde, falls er einmal den Beruf wechseln sollte. Er sagte uns, dass jede Arbeit in Ordnung wäre, solange sie ihm erlauben würde, nach seinem eigenen Zeitplan zu arbeiten. Oder ihm zumindest die Illusion geben würde, dass er in der Lage sei, nach seinem eigenen Zeitplan zu arbeiten. 

 

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